Wilhelmsburg bewegt sich
Reiner Sengstake hat die Organisation an Karsten Schölermann abgegeben, der den Volkslauf weiter beleben will.
Es war nur ein einziger Knall zu hören, als der 28. Wilhelmsburger Insellauf gestartet wurde. Dabei hatten sich zwei Starter mit ihren Pistolen vor den 380 Teilnehmern postiert, die von der Dratelnstraße auf die 20 Kilometer lange Strecke rannten. Karsten Schölermann und Reiner Sengstake aber feuerten so synchron, als wenn es nur ein Startschuss gewesen wäre. Man darf diese Eintracht als symbolisch bewerten. Denn für das traditionsreiche Wilhelmsburger Laufereignis gab es das Ende einer Ära und gleichzeitig einen Neubeginn.
Vor 28 Jahren hatte der Eisenbahner-Sportverein Einigkeit erstmals einen Wandertag organisiert. Vor zehn Jahren übernahm Reiner Sengstake mit seiner Kegelgruppe das Kommando. Der heute 60-Jährige war es, der dieser Veranstaltung den Markennamen "Wilhelmsburger Insellauf" aufdrückte und mit seiner Helferschar für neuen Schwung sorgte. Jetzt hat sich Reiner Sengstake zurückgezogen und den Kommandostab an Karsten Schölermann weiter gegeben. Der Hamburger Meister über 3000 Meter Hindernis von 1988 lebt seit 15 Jahren auf der Insel. Mit Michael Barkowski und Detlef Matzen, ebenfalls frühere Leichtathleten des HSV, betreibt er seit Jahren die "BMS-Sportveranstaltungs GbR". Und diese Firma organisiert jetzt den Insellauf.
Der Neubeginn stach sofort ins Auge. Über der elektronischen Zeitmessung auf der Ziellinie blähte sich ein großer leuchtend blauer Bogen mit der Aufschrift "Erdinger alkoholfrei". Unter einem Zeltdach hinter dem Ziel wurde Freibier ausgeschenkt. Auf dem Rasenplatz tummelte sich das bunte Völkchen der Lauffreaks. Mädchen und Jungen aus der Schule Stübenhofer Weg hatten in einem Kreis Aufstellung genommen, und machten sich mit Übungen warm für den Schülerlauf.
"Das erste Mal gibt es hier eine elektronische Zeitmessung", lobte Arno Reglitzky. Die Anerkennung hatte Gewicht. Arno Reglitzky organisiert als Vorsitzender von Blau-Weiss Buchholz den Stadtlauf in der Nordheide.
"Im Berufsschulzentrum hatten wir zwei Computer mit Druckern installiert", sagte Karsten Schölermann. Wer seine Startnummer eintippte, bekam sofort seine Teilnehmerurkunde ausgedruckt.
Die lange Strecke über 20 Kilometer führte am Deich der Norderelbe entlang. "So mancher Starter, der das erste Mal dabei war, zeigte sich erstaunt über das idyllische Wilhelmsburg", sagte Schölermann. "wir haben viel Lob bekommen, das ist uns Verpflichtung." Die neuen Organisatoren wollen sich bemühen, die Geschäftswelt stärker einzubinden. "Der Lauf soll ein Ereignis für alle Insulaner werden", so Karsten Schülermann, "und er soll zeigen, dass hier viel in Bewegung geraten ist."
Mit 932 Teilnehmern wurde ein neuer Rekord erreicht. "Einen besseren Neubeginn hätten wir uns nicht wünschen können", so Reiner Sengstake, der nach 37 Jahren Wilhemsburg verlässt und zurück in seine schleswig-holsteinische Heimatstadt Heide zieht. Ehefrau Benita gehörte zu den Frauen, die Kuchen spendeten und verkauften. Der Reinerlös von 470 Euro geht an Mittagskinder Kirchdorf .
Sieger über 20 Kilometer wurde Mourad Bekakcha vom Bahrenfelder SV in 1:11,07 Stunden. Er hatte fast sechs Minuten Vorsprung vor dem Zweiten Andre Lubeseder. Schnellste Frau: Petra Röpke vom TC Vahrendorf in 1:38,18 Stunden.
Über zehn Kilometer waren die sieben schnellsten Läufer 11,4 Kilomter gerannt, weil bei einer Abzweigung ein Streckenposten fehlte. Sieger wurde Daniel Hawellek ( TS Harburg) vor dem mehrfachen deutschen Meister und Hamburger Rekordhalter über 5000 Meter, Detlef Nachtigall vom HSV. Ehefrau Kirsten Nachtigall siegte bei den Frauen. Beim Schülerlauf über 1200 Meter war Julian Sternberg (4:41 Minuten) von der Schule Stübenhofer Weg der Schnellste. Als erstes Mädchen war Melinda Block (5:15 Minuten) im Ziel. Beide sind zehn Jahre.
erschienen am 15. April 2008 im Hamburger Abendblatt
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